Champions für Region

Kurs soll arbeitslosen Jugendlichen Perspektiven aufzeichnen – Wolf spricht

Von Norman Meißner

Eisenach. Einen ganz neuen Weg beschreitet jetzt das Jobcenter Eisenach, um Jugendliche ohne Ausbildung erfolgreich in Jobs oder Lehrstellenvermitteln zu können. Dazu arbeiten die Eisenacher Arbeitsvermittler jetzt mit der „LMI Deutschland GmbH“ zusammen, die den Kurs „The Making of a Champion“ für Jugendliche anbietet. „Wir wollten mal etwas anderes probieren“, sagte Teamleiterin Elke Gabriel vom Jobcenter in Eisenach am Dienstagabend während eines offenen Thementreffs im „Logotel“. Der Abend schärfte für Kursteilnehmer und interessierte Gäste den Blick auf den Lebensbereich Gesellschaft und Kultur, zu der als Gast Eisenachs Oberbürgermeisterin Katja Wolf (Linke) sprach.

Elf Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 18 und 28 Jahren der Wartburgregion starteten im September als erste im Freistaat Thüringen in diesen Kurs. „Der Kurs ist speziell für junge Menschen entwickelt worden, die nicht erst bis 45 warten wollen, um Führungskräfte zu werden“, verdeutlichte die Betriebswirtin und LMI –Partnerin Antje Gössel, die über viele Jahre für die Firma „Mitec“ tätig war. Den Teilnehmern werde vermittelt, wie sie selbst gesteckte Ziele erreichen können. „Geben wir den Jugendlichen keine Chance, gehen sie und verloren und wandern ab“, wirbt Gabriel für den Kurs. Jede Fachkraft werde hier in der Region dringen gebraucht, so Marko Haas, Geschäftsführer des Jobcenters Eisenach, der zum nächsten Thementreff am 20. November 17.45 Uhr, im Logotel im Bereich Beruf und Finanzen den Schleier um die „Mythen der Arbeit“ lüften will.

Ansporn ist die hohe Quote

Die Projektverantwortlichen haben sich ein hohes Ziel gestellt. „ Wir wollen bis Ende 2013 aus 100 Jugendlichen Champions für die Region machen“, betonte Antje Gössel. Gerade die hohe Quote Jugendlicher ohne Ausbildung gebe den Projektorganisatoren Ansporn. Kursleiterin Ute Bieling vermittelt in einem Workshop den Teilnehmern, wie sie die heutige Informatonsflut besser bewältigen können. So werde beispielweise das sinnfassende Lesen trainiert. In einem anderen Workshop schult Bieling die Jugendlichen in Präsentationstechniken. Neben Beruf und Finanzen sind bis zum Frühjahr auch Familie, Gesellschaft, Ethik, Bildung und Gesundheit Themenschwerpunkte der elf Kursteilnehmer. Stimmt es auch in den anderen Lebensbereichen wie Familie, Kultur und Gesundheit, seien die Leistungen im Beruf deutlich höher, ist sich der Pädagoge und LMI –Partner Tobias Zimmer aus Taucha bei Leipzig sicher. Während des offenen Thementreffs am Dienstagabend zum Lebensbereich Gesellschaft und Kultur beantwortete die Oberbürgermeisterin als Gastreferentin die Frage: „Vertritt die Politik noch die Menschen?“ Ihre Ist –Analyse ist frappierend: Nicht mal mehr die Hälfte der Wahlberechtigten tritt heute noch an die Urne; und das und das Interesse, sich in Parteien zu engagieren, schwindet stetig, obwohl gerade heute die vielfältigen Informationsmöglichkeiten es leicht machten, die Gesellschaft aktiv mitzugestalten. Warum das gerade nicht passiere, könnte ihrer Ansicht nach verschiedene Gründe haben: mangelndes Vertrauen in Politik und politisches System, fehlende Bürgernähe, Misstrauen in die Akteure auf der politischen Bühne oder das für viele zu komplizierte System der Demokratie. „Es muss besser gelingen, die Mitbestimmung stärker auszuspielen“, denkt die Oberbürgermeisterin Katja Wolf dabei an die Verwirklichung der direkten Demokratie. Beispielsweise werde noch viel zu wenig die Möglichkeit, Bürgeranfragen im Eisenacher Stadtrat zu stellen, genutzt.